Wer wir sind

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Balkanbrücke

Die Regierungen der EU schotten sich ab, indem sie Außengrenzen aus Stacheldraht, Gewalt und rassistischer Diskriminierung errichten. Wir bauen Brücken für globale Bewegungsfreiheit, um diese Grenzen gemeinsam zu überwinden.

Wir sind ein Zusammenschluss aus Aktivist*innen der Zivilgesellschaft, die auf die Situation von People on the Move [LINK ERKLÄRUNG POM] entlang der so genannten ‘Balkanroute’ und Menschenrechtsverletzungen an den (Außen-)Grenzen der Europäischen Union aufmerksam machen.

Die Abschottung Europas hat einen hohen Preis: Ein Staatenbund, der Menschen, die ihre Heimat aufgrund von Krieg, Verfolgung oder auf der Suche nach einer sichereren und besseren Zukunft verlassen mussten mit aller Gewalt zurückhält und sie vor seinen Türen in menschenunwürdigen Lagern leiden lässt, verrät seine “humanitären Werte”. Dieses rassistische Migrationsregime schützt Grenzen und nicht Menschen. Über die Situation von People on the Move entlang der so genannten ‘Balkanroute’ ist dabei im deutschsprachigen Raum wenig bekannt und die mediale Berichterstattung beschränkt sich meist auf die Spitzen des Eisbergs, beispielsweise der Brand im Camp ‘Lipa’ im Dezember 2020. Die tagtäglichen systematischen strukturell verankerten Menschenrechtsverletzungen werden zu oft stillschweigend hingenommen.

Eine Gruppe von ehemaligen Freiwilligen in der Unterstützungsarbeit für Migrant*innen in Südosteuropa entschied sich daher im April 2020 dafür die Balkanbrücke zu gründen und damit auch die Aktivitäten und Schwerpunkte der Seebrücke und weiterer Organisationen um Perspektiven zu ergänzen. Letztendlich haben wir die gleiche Vision: Wir wollen weg von der Europäischen Abschottungspolitik und hin zu Bewegungsfreiheit für alle Menschen!

Mittlerweile ist unsere Gruppe gewachsen und tut es noch immer. Wir treffen uns regelmäßig als gesamte Gruppe, haben eine Vielzahl an Arbeitsgruppen, knüpfen und verfestigen Kontakte in Südosteuropa und vernetzen uns auch im deutschsprachigen und europäischen Raum mit anderen Akteur*innen und Gruppen. Wir befinden uns dabei in einem andauernden Reflektionsprozess über unsere Perspektiven, Visionen und Ideen. Unsere Gruppe steht und fällt mit den Menschen, die mitmachen. Unser Selbstverständnis kann demnach nur als Ausschnitt eines Prozesses verstanden werden, es verdeutlicht Diskussionen die wir führen, Diskurse in die wir uns einbringen, rote Linien die wir haben und Positionen für die wir einstehen.

Wir haben einen anti-neoliberalen, kapitalismuskritischen, antirassistischen, queer-feministischen und (klima)gerechtigkeits Anspruch. Wir verstehen uns als Teil einer größeren Bewegung, die sich für eine gesellschaftliche Umwälzung einsetzt.

Wir lehnen Faschismus, Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit, Ableismus, Klassendiskriminierung und jede weitere Form von Diskriminierung strikt ab. Wir agieren macht- und herrschaftskritisch und versuchen interne Hierarchien zu erkennen, bekämpfen und abzubauen (z.B. Wissens- und Entscheidungshierarchien). Wir arbeiten konsensorientiert.

Menschen sind für uns Subjekte und keine Objekte. Deswegen wollen wir uns solidarisch mit Betroffenen zeigen, um Handlungsfähigkeit und Individualität zu gewährleisten und zu fördern. Uns ist bewusst, dass wir derzeit (noch) keine Betroffenenperspektive vertreten und unser Fokus daher auf der politischen Verantwortung Deutschlands und der Europäischen Union liegt.
In Zusammenarbeit mit Aktivist*innen aus Südosteuropa ist es uns wichtig ihre Perspektiven als Grundlage unserer Gedanken, Forderungen und Aktionen zu nehmen und das Gespräch aktiv zu suchen. Uns ist bewusst, dass wir mit der Verwendung des Begriffs ‘Balkan’ Gefahr laufen, westliche Klischeevorstellungen und Stigmata über Länder des sogenannten Balkans zu reproduzieren. Unser Anspruch ist jedoch eben diese Klischeevorstellungen aufzubrechen und eine Brücke über vorherrschende Machtverhältnisse zu bauen.

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Unsere Vision

Das EU-Grenzregime baut auf rassistischen und historisch gewachsene und (teilweise durch den Kolonialismus geprägte) Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse. Für uns ist globale Bewegungsfreiheit ein fundamentales Recht aller Menschen!

Um die systematischen Menschenrechtsverletzungen mit denen People on the Move konfrontiert sind zu stoppen, fordern wir unter anderem jetzt von der deutschen und europäischen Politik:

  • Das Ende aller Menschenrechtsverletzungen an den EU-Außengrenzen, wie Pushbacks und die Ausübung weiterer psychischer und physischer Gewalt

  • Das Einstellen jeglicher bundesdeutscher Unterstützung nationaler Grenzregime.

  • Das Einstellen aller laufenden Frontex-Operationen und die Abschaffung von Frontex als Grenzschutzagentur.

  • Europa braucht langfristige und menschenrechtsbasierte Lösungen in ihrer Migrations- und  Asylpolitik. Drittstaaten in Südosteuropa dürfen nicht weiter die Außenposten der EU-Abschottungspolitik sein.

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Was wir tun

Öffentlichkeitsarbeit – Wir möchten als Balkanbrücke dazu beitragen, Distanzen zu überwinden: Informationen über die Entwicklungen entlang der ‘Balkanroute’ sammeln und möglichst niedrigschwellig zur Verfügung stellen, die Zivilgesellschaft über die Situation von People on the Move in Südosteuropa informieren und gemeinsam eigene Informationslücken überwinden.

Netzwerkarbeit – Wir möchten Brücken bauen, um Grenzen zu überwinden: Deshalb ist uns die Vernetzung mit lokalen Personen und Organisationen und People on the Move besonders wichtig. Sie kennen den historischen und politischen Kontext, erleben die EU-Außengrenze tagtäglich und wissen, welche Form der Unterstützung und Solidarität gerade gebraucht wird. Ihre Stimmen müssen sicht- und hörbar gemacht werden, dafür möchten wir eine Plattform bieten.

Solidaritätsarbeit – Mit der AG Balkanbrücke Supports generieren wir Spenden, um diese an Projekte weiterzuleiten, die Menschen auf der Flucht in Südosteuropa unterstützen. So wollen wir zum einen direkte Solidaritätsarbeit leisten und zum anderen Aufmerksamkeit auf die politische Dimension von „Hilfe“ lenken.

Kampagnenarbeit – Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Folgen der Europäischen Abschottungspolitk anzuprangern und fokussieren uns dabei auf die europäische und deutsche Verantwortung. Wir wollen politischen Druck aufbauen und fordern eine politische Kehrtwende! In Zusammenarbeit mit anderen Organisationen starten wir dezentrale Aktionen wie Demos, Kundgebungen, und größere Kampagnen, wie bspw. #Abolish Frontex.

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