Bosnien und Herzegowina

Allgemeine Informationen

Bosnien und Herzegowina grenzt im Norden und Westen an das EU-Land Kroatien. Die Folgen des Jugoslawienkrieges der 1990er Jahre sind noch spür- und sichtbar. Viele Bewohner*innen haben selbst Krieg und Vertreibung erfahren. Aufgrund dessen hat sich die Bevölkerung anfangs teilweise mit den Menschen auf der Flucht solidarisiert. 

Situation vor Ort

Bosnien und Herzegowina ist seit 2018 ein wichtiges Transitland. Da es schwierig ist, die EU über Serbien, Kroatien oder Ungarn zu erreichen, fand eine Westverschiebung der Balkanroute statt. Tausende Menschen sitzen im Norden des Landes fest. Das kroatische (und damit das europäische) Grenzregime hindert sie gewaltsam und mit illegalen Push Backs an der Weiterreise und somit daran, Schutz in der EU zu ersuchen.

Das Asylsystem in Bosnien und Herzegowina ist mangelhaft. Asylverfahren werden nur in wenigen Einzelfällen durchgeführt. Seit 2010 wurde lediglich 9 Menschen der Flüchtlingsstatus anerkannt und 136 subsidiärer Schutz gewährt. Die humanitären Bedingungen für die Geflüchteten sind sehr schlecht: Die staatlich geführten Zentren für Asylsuchende haben sehr geringe Kapazitäten (Delijaš für etwa 150 Personen und Mostar mit etwa 200 Plätzen). Die offiziellen Camps sind unterversorgt und überlastet – und viele Menschen leben auf der Straße oder in informellen Lagern. Vor allem in den grenznahen Städten Velika Kladuša und Bihać ist die Situation höchst angespannt. Wie gefährlich es für die Menschen im Winter werden kann, zeigten 2019/2020 Berichte in den Medien über das katastrophale Zeltlager Vučjak, das auf einer Müllhalde auf einem Berg errichtet worden war.

Nach dem Asylgesetz sind die Menschen gesetzlich verpflichtet, innerhalb von 14 Tagen eine offizielle Adresse zu finden und sich registrieren zu lassen. Der Mangel an Unterkünften stellt dabei allerdings ein großes Hindernis dar. Ohne Adresse wird die Erstregistrierung ungültig. Eine Neuausstellung zu erreichen, ist eine große Herausforderung. Dies hat zur Folge, dass eine große Zahl von Menschen (auch in den Zentren) keine Papiere und keine geregelten Aufenthaltsstatus haben und deshalb oft als „illegale Migranten“ kriminalisiert werden.

Die aussichtslose Lage führt dazu, dass die Spannungen immer weiter zunehmen. Aktuell häufen sich Berichte über Schikane und Gewalt seitens der bosnischen Polizei. Hatte sie Grenzübertritte nach Kroatien anfangs nicht verhindert, wendet die Polizei jetzt sogar in den offiziellen Lagern Gewalt an, räumt inoffizielle “Squats” und verbrennt die Habseligkeiten der Flüchtenden. Einheimische Privatpersonen spielen eine wichtige Rolle bei der Versorgung der Geflüchteten, allerdings werden sie vermehrt sanktioniert.

Camps und Hotspots

Seit 2018 entstehen vor allem im Grenzgebiet zu Kroatien große temporäre, informelle Camps, die häufig nach einiger Zeit geräumt werden (z.B. Trnovi oder Berići). Gleichzeitig werden kurzfristig große offizielle Camps errichtet. Diese sind nicht nur überfüllt, auch die ausreichende Versorgung der Bewohner ist nicht sichergestellt. Einige Camps befinden sich in alten Fabrikhallen, wie z.B. Bira in Bihać oder Miral in Velika Kladuša. Andere bestehen aus Zelten wie in Vučjak und Lipa. In Sarajevo und Tuzla gibt es offizielle Campsites sowie informelle Squats. Darüber hinaus leben zahlreiche Menschen auf der Straße und in den Wäldern. In Sarajevo operiert ein staatliches Camp namens Blažuj, das in einer ehemaligen Militäranlage eingerichtet ist. In Mostar existiert seit 2018 das Camp Salakovac.

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