Jahresbericht 2023 von KlikAktiv

Projekt-Updates, Stimmen vor Ort

Jahresbericht 2023 von KlikAktiv

KlikAktiv, die wir ja schon von unserer Gründung an unterstützen, erstellt regelmäßig aktuelle Berichte über die Situation in Serbien und über ihre Arbeit.

Jetzt gibt es ganz aktuell den Jahresbericht für 2023!
Da diese Berichte sehr umfangreich und detailliert sind, ist ihre Erstellung sehr zeitaufwändig. Den Bericht haben wir gelesen und euch die wichtigsten Fakten zur Situation vor Ort und zur Arbeit von KlikAktiv herausgestellt:
(Den ganzen Bericht könnt ihr hier herunterladen.)

Infos zur Situation in Serbien:

Im Jahr 2023…

  • … waren insgesamt 108.828 Menschen in offiziellen, staatlich betriebenen Camps in Serbien untergebracht (Rückgang um 12 % im Vergleich zum Vorjahr).
  • … dokumentierte KlikAktiv einen Anstieg der Zahl der Squats (informellen Siedlungen) und der dort lebenden People on the Move (42 Squats in Serbien, meist an der Grenze zu Ungarn). 
  • … kamen die Menschen auf der Flucht, die sich in Serbien aufhalten, vor allem aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Marokko und der Türkei.
  • … hatten die meisten Menschen auf der Flucht keinen Zugang zum Asylverfahren in Serbien, da nur 1.654 von ihnen als Asylbewerber registriert wurden und 196 von ihnen tatsächlich einen Asylantrag stellten.
  • … wurde nach Angaben des UNHCR nur 9 Personen in Serbien Asyl gewährt, während 59 von ihnen einen negativen Bescheid erhielten.
  • … gab es eine konstante Anzahl an Pushbacks aus den benachbarten EU-Mitgliedstaaten, bis Oktober größtenteils an der ungarischen Grenze, gegen Ende des Jahres vermehrt an der kroatischen Grenze. 
  • … begannen die kroatischen Behörden auf der Grundlage des Rückübernahmeabkommens zwischen den beiden Ländern, mehr Menschen nach Serbien abzuschieben.
  • … ist die Zahl der Menschen, die bei dem Versuch, die Grenze von Serbien nach Bosnien und Herzegowina zu überqueren, im Fluss Drina ertrunken sind, erheblich gestiegen
  • … wurden insgesamt 9 Leichen auf dem örtlichen Friedhof in der Stadt Loznica (Serbien) beigesetzt, und keine von ihnen wurde identifiziert, sondern ihre Gräber sind lediglich als „NN“-Personen gekennzeichnet.

Infos zur Arbeit von KlikAktiv:

Im Jahr 2023…

  • … erreichte Klikaktiv insgesamt 8.438 Menschen auf der Flucht mit ihrer Unterstützung.
  • … lag der Fokus ihrer Arbeit, wie auch sonst, auf Rechtsberatung und Information, und auf der psychosozialen Unterstützung, insbesondere von Frauen und unbegleiteten Minderjährigen.
  • … haben KlikAktiv Zelte, Decken, Unterwäsche und Hygieneartikel sowie eine Station zum Aufladen von Mobiltelefonen bereitgestellt.
  • … besuchte Klikaktiv regelmäßig 33 Squats entlang des Grenzgebiets, in denen jeweils zwischen 30 und 600 Menschen untergebracht waren; die aktivsten Squats befanden sich entlang der serbisch-ungarischen Grenze, insbesondere um die Städte Sombor, Subotica und Horgos.
  • … dokumentierte KlikAktiv Zeugenaussagen zu Push-Back Erfahrungen, hierbei gaben insgesamt 1.622 Menschen an, mindestens einmal zurückgeschoben worden zu sein.
  • … registrierte KlikAktiv mindestens 11 Leichen, die an den Ufern des Flusses Drina gefunden wurden, aber die tatsächliche Zahl der Menschen, die an diesem Ort ihr Leben verloren haben, ist vermutlich viel höher.
  • … organisierte KlikAktiv auch kostenlose Schulungen für andere humanitäre Helfer*innen, Freiwillige und Aktivist*innen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen in Bezug auf Asyl und andere relevante rechtliche Verfahren in Serbien.

Mit seiner Arbeit möchte Klikaktiv allen Vertriebenen in Serbien Unterstützung und Hilfe bieten, einschließlich derjenigen, die sich in einer besonders gefährdeten und sensiblen Lage befinden, wie unbegleitete Minderjährige, Frauen, Menschen mit Behinderung und ältere Menschen, die aufgrund ihres Herkunftslandes, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihres Geschlechts oder ihres Alters diskriminiert werden.

Eine Geschichte aus dem Bericht:

Im letzten Quartal des Jahres 2023 unterstütze Klikaktiv eine syrische Frau, die allein mit ihren beiden jugendlichen Kindern (ein Junge und ein Mädchen) reiste und im besetzten Haus im Hotel Talal wohnte, bis sie in ein diabetisches Koma fiel und für mehrere Tage in das örtliche Krankenhaus in Sombor eingeliefert wurde. Während ihres Krankenhausaufenthalts blieben ihre beiden Kinder im Squat, ohne die Begleitung eines Erwachsenen. 
Klikaktiv sprach mit der Frau nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus und klärte sie über die Möglichkeit auf, in Serbien einen Asylantrag zu stellen, und über die Rechte, die sie im Falle eines Asylantrags in Anspruch nehmen könnte. Sie befürchtete jedoch, dass die Menge an Insulin, die sie nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus erhalten hatte, nicht ausreichen würde und dass sie in den nächsten Tagen erneut in ein diabetisches Koma fallen könnte, wenn sie das Zielland nicht erreicht. Das Team von Klikaktiv erklärte ihren Kindern auch, was sie tun können und wen sie alarmieren müssen, wenn ihre Mutter dringende medizinische Hilfe braucht.

Zitate von People on the Move:

Five police officers jumped on me and started beating me. One of them kicked me in the head, I screamed from pain, but they did not care. (…) Living conditions inside the camp in Sombor are horrible, not even animals should live like that. We are sleeping on the floor, no beds, no running water, no showers, nothing. We are all scared. They don’t allow us to leave the camp, we are all scared that we might be deported to Syria. I can’t go back to Syria, the regime will kill me immediately. What should we do? We are also humans, we are not animals, why do they treat us like this? (…) We heard that the Serbian south border is open, there are no problems with the police there. But camps in the north are already full, what will they do in one or two months when more people come? New people will come to Serbia but there will not be enough space for everyone.” – man from Syria.

We have a mobile phone with us, but we have to pay 20 EUR to charge it. And then we have to pay an additional 30 EUR for the internet hotspot only to use it for 10 minutes. It’s crazy. We already paid a lot of money to them (smugglers). We also have to pay 10 EUR for a bottle of water…I can’t speak about everything that is happening here. But it is very bad here. Very bad.” man from Syria about the informal settlement in hotel Talal, Sombor (October 2023)

I don’t know if my husband is dead or alive. The last time I saw him, he was taken by the ambulance. Hungarian police didn’t allow me to go with him nor to leave him a mobile phone so we could stay in touch. I don’t know what to do now.”  woman from Syria who was separated from her husband in Hungary.

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